Protagonisten

Erna Rödling, 106, lebt seit neun Jahren in einer Seniorenresidenz am Starnberger See. Seitdem ist sie zu einem großen Fußballfan geworden, weil im Fernsehen „nie ´was Gutes kommt“. Begeistert hält sie zum FC Bayern, wundert sich aber immer, wie „geschickt die Fußballer hinfallen“. Sie ist die Einzige im Heim, der auffällt, wenn ein Mitbewohner(in) eine Weile nicht mehr zu den Essen erscheint. Dann bringt sie zum Trost Blumen ans Krankenbett.

Franz Xaver Schmid, 100, fühlt sich durch seine Seh- und Hörbehinderung vom Leben abgeschnitten. Er glaubt zwar an einen Schöpfer, dieser aber scheint –  so wie Franz – schwerhörig zu sein: „Er bekommt halt nicht alles mit, was ich mir wünsche“. Franz ist ein Herr der alten Schule, trug früher weiße Anzüge und war für seinen respektvollen Charme bekannt.

Hella Müting, 103, geht selbständig zum Friseur und zum Einkauf beim Edeka. Zu gegebenen Anlässen hält immer nur sie die Reden bei ihrem Kaffeekränzchen – ohne Notizen und aus dem Stehgreif, versteht sich! Fünf Kinder zog die ehemalige Lehrerin allein groß und ist stolz auf ihre eigene Rente.

Ernst Strunz, 103, erzählt, wie er einen blutenden Einbrecher erst verarztet und dann aus seinem Haus geworfen hat. Danach legte er sich ins Bett und schlief seelenruhig weiter. Erst am nächsten Morgen rief er seine Tochter an, nachdem der Nachbar ihn auf eine zerstörte Fensterscheibe in seiner Balkontür aufmerksam machte. Sogar „Der Spiegel“ schrieb über ihn. Der Einbrecher wurde nie gefasst.

Ruja Diebold, 102, spielt leidenschaftlich gerne Klavier. Als 100jährige wollte sie nicht mitmachen beim Film, weil dann ja jeder wüsste, wie alt sie sei. Aber als Klavierspielerin war sie bereit dazu! „Ich spüre gar nicht, dass ich älter werde!“ Ihre gute Laune und ihr Optimismus sind unbestechlich. Alles Niederdrückende könne sie nur schwer ertragen, und traurige Menschen muss sie immer gleich umschalten. Was ihr wohl auch immer gelingt.

Anna Pöller, 103, sitzt seit vier Jahren im Rollstuhl und beobachtet das Parkdeck, redet von ihrem Zimmer aus mit, „wie´s ein- und ausparken und sich dumm stellen“ dabei, hat den Führerschein selbst aber nie gemacht. Sie sei jetzt „reif für den Untergang“ und lacht dabei!

Gerda Skowronek, 100, führt auch noch im Seniorenheim „die Truppe“ an. Wenn sie ihre Stimme erhebt, hören einfach alle zu: eine Respektsperson, die sich tapfer als allein erziehende Mutter nach dem Krieg durch´s Leben schlug! Sie bejaht das Leben immer noch, meint zum hohen Alter aber auch: „Man muss positiv eingestellt und auch bereit sein, nicht nur körperlich, sondern auch seelisch, das mitzumachen…“ …solange bis für sie ein Einzelzimmer im Himmel frei wird, meint Gerda.

Theresia Steinberger, 101, ist seit einem Jahr bettlägerig. Früher hätte sie sich das nie vorstellen können, nutzt jetzt aber die Zeit zum Nachdenken: „Es war doch so schön, auch wenn wir nicht viel gehabt haben!“ Früher ist sie viel Seil gesprungen, das geht jetzt nicht mehr: „Es wär ja auch noch schöner, wenn man mit hundert Jahren noch umeinander hupfen würde.“ Als Hausangestellte ist sie ihr Leben lang für andere gelaufen, hat ihren Job gerne gemacht, aber nie Zeit für sich gehabt. Vielleicht holt sie das nun nach.